
Wissenschaftler vom Carl Sagan Institute an der Cornell University unter der Leitung der Astrophysikerin Lisa Kaltenegger haben aus der riesigen Anzahl von über 6100 bekannten Exoplaneten eine exklusive Gruppe von 45 Himmelskörpern herausgefiltert. Diese Auswahl basiert auf der Erkenntnis, dass nicht jeder Planet, der einen fernen Stern umkreist, auch tatsächlich lebensfreundliche Bedingungen bieten kann. Die Forscher konzentrierten sich bei ihrer Suche primär auf Gesteinsplaneten, da eine feste Oberfläche als Grundvoraussetzung für die Entstehung von Leben gilt. Ein entscheidendes Kriterium für die Aufnahme in diese Liste ist die Lage des Planeten innerhalb der habitablen Zone seines Muttersterns. In diesem Bereich sind die Temperaturen moderat genug, damit Wasser dauerhaft in flüssiger Form auf der Oberfläche existieren kann. Flüssiges Wasser fungiert in der Biologie als universelles Lösungsmittel und ist für chemische Prozesse essenziell. Die Identifizierung dieser 45 Kandidaten ist ein wichtiger Meilenstein, da sie die astronomische Suche nach außerirdischem Leben präziser und effizienter macht. Anstatt wahllos Milliarden von Sternen zu scannen, können sich die Teleskope nun auf diese vielversprechenden Ziele konzentrieren. Besonders wichtig ist dabei die Beobachtbarkeit der Planeten von der Erde oder aus dem Weltraum heraus durch moderne Instrumente. Viele der ausgewählten Welten befinden sich in einer geometrischen Position, die eine genaue Analyse ihrer Atmosphäre ermöglicht. Wenn ein Planet von uns aus gesehen direkt vor seinem Stern vorbeizieht, filtert seine Atmosphäre das Sternenlicht auf charakteristische Weise. Diese winzigen Veränderungen im Lichtspektrum verraten den Forschern schließlich, welche Gase in der fernen Lufthülle vorhanden sind. Die Wissenschaftler suchen dabei gezielt nach sogenannten Biosignaturen, also chemischen Fingerabdrücken von biologischem Leben. Zu diesen Indikatoren gehören Gase wie Sauerstoff, Ozon, Methan und Distickstoffmonoxid in bestimmten Konzentrationen. Einige der identifizierten Welten gehören zu bekannten Systemen wie TRAPPIST-1, das gleich mehrere erdähnliche Planeten beherbergt. Auch der Planet Proxima Centauri b, der unseren nächsten Nachbarstern im All umkreist, ist Teil dieser wichtigen Auswahl. Die Forscher nutzten für ihre umfassende Analyse modernste Daten der Gaia-Mission sowie komplexe Klimamodelle. Diese Modelle berechnen unter anderem, wie eine mögliche Wolkendecke die Temperaturen auf einem Planeten beeinflussen könnte. Es stellte sich heraus, dass 24 dieser Planeten in einer besonders stabilen Klimazone liegen, die über Milliarden von Jahren hinweg lebensfreundlich geblieben sein könnte. Langfristige Stabilität ist wichtig, damit sich komplexere Lebensformen überhaupt über lange Zeiträume entwickeln können. Die Distanz zu diesen Planeten beträgt oft nur wenige Dutzend Lichtjahre, was sie für heutige Messgeräte erreichbar macht. Das James-Webb-Weltraumteleskop spielt bei der detaillierten Untersuchung dieser Kandidaten eine absolut zentrale Rolle. Es kann Infrarotstrahlung auffangen, die Informationen über die Temperatur und Zusammensetzung der Planetenoberflächen liefert. Trotz der Bezeichnung als mögliche zweite Erden ist bisher noch auf keinem dieser Himmelskörper tatsächlich Leben nachgewiesen worden. Die Liste dient vielmehr als eine Art Prioritätenkatalog für die kommenden Jahrzehnte der internationalen Weltraumforschung. Es ist möglich, dass viele dieser Planeten trotz ihrer guten Lage keine schützende Atmosphäre mehr besitzen. Ohne ein Magnetfeld könnten sie durch die harte Strahlung ihrer Sonnen kahlgefegt worden sein. Dennoch erhöht die Eingrenzung auf diese Top-Kandidaten die statistische Wahrscheinlichkeit für einen baldigen wissenschaftlichen Durchbruch enorm. Die Entdeckung von Leben außerhalb unseres Sonnensystems würde unser Verständnis vom Platz der Menschheit im Universum fundamental verändern. Wir stehen nun an einem Punkt, an dem die Technologie endlich weit genug fortgeschritten ist, um die Frage nach der Einsamkeit im All wissenschaftlich zu klären. Jede neue Beobachtung bringt uns der Gewissheit näher, ob die Erde ein einzigartiger Zufall oder Teil eines belebten Kosmos ist. Die Astronomie hat mit dieser Auswahl ein klares Ziel definiert, auf das zukünftige Generationen von Forschern hinarbeiten werden. Es bleibt abzuwarten, welcher dieser fernen Orte sich am Ende als tatsächlich bewohnbar erweist. Die Zusammenarbeit zwischen Theorie und Beobachtung ist der Schlüssel zum Erfolg dieser ehrgeizigen Suche. Jede Analyse einer Atmosphäre liefert uns neue Puzzleteile über die Vielfalt der Planeten in unserer Galaxie. Letztlich geht es darum, die Bedingungen zu verstehen, die unseren eigenen Planeten so besonders machen. Die Wissenschaftler hoffen, schon in den nächsten Jahren erste konkrete Daten über die chemische Zusammensetzung dieser Welten zu erhalten. Diese 45 Planeten sind nun unsere besten Hoffnungsträger bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, ob wir allein sind.
Detaillierte Auflistung der wichtigsten Erkenntnisse und spezifischen Planeten aus der Studie von Lisa Kaltenegger und ihrem Team vom Carl Sagan Institute. Diese 45 Welten wurden ausgewählt, weil sie nicht nur potenziell lebensfreundlich sind, sondern auch nah genug liegen, um ihre Atmosphäre mit dem James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) zu untersuchen.
Die Top-Kandidaten und ihre Besonderheiten
- LHS 1140 b Dieser Planet gilt aktuell als einer der vielversprechendsten Kandidaten überhaupt. Er ist eine „Supererde“ im Sternbild Walfisch, etwa 48 Lichtjahre entfernt. Jüngste Daten deuten darauf hin, dass es sich um eine Wasserwelt oder einen „Eisball“ mit einem flüssigen Ozean unter einer Eisschicht handeln könnte.
- TRAPPIST-1 d, e, f und g Dieses System ist berühmt, weil gleich sieben erdgroße Planeten einen kühlen roten Zwergstern umkreisen. Die Planeten e, f und g liegen mitten in der habitablen Zone. Da das System nur 40 Lichtjahre entfernt ist, können Forscher hier besonders gut nach Wasser und Sauerstoff suchen.
- Proxima Centauri b Er ist unser direkter kosmischer Nachbar, nur ca. 4,2 Lichtjahre entfernt. Er hat eine ähnliche Masse wie die Erde und befindet sich in der habitablen Zone. Die Herausforderung hier sind die starken Strahlungsausbrüche seines Sterns, die eine Atmosphäre zerstören könnten.
- TOI-715 b Diese „Supererde“ umkreist ihren Stern in nur 19 Tagen. Er befindet sich in der konservativen habitablen Zone, was bedeutet, dass die Bedingungen für flüssiges Wasser dort sehr stabil sein könnten.
- LP 890-9 c (Speculoos-2c) Ein Planet, der etwa 40 % größer als die Erde ist. Er umkreist einen sehr kühlen Stern, was die Beobachtung der Atmosphäre erleichtert, da der Stern den Planeten nicht so stark überstrahlt.
Die Auswahlkriterien der Forscher
Die Identifizierung der 45 Planeten erfolgte nach einem strengen Filterprozess:
- Gesteinsbeschaffenheit: Es wurden nur Planeten mit einem Radius unter dem 1,6-fachen der Erde ausgewählt, um sicherzustellen, dass es keine Gasriesen sind.
- Temperaturbereich: Die Planeten müssen eine effektive Temperatur aufweisen, die flüssiges Wasser ermöglicht (zwischen ca. -50 °C und +50 °C, je nach Atmosphäre).
- Transitmethode: Alle 45 Planeten ziehen von der Erde aus gesehen vor ihrem Stern vorbei. Nur so kann das Licht des Sterns durch die Planetenatmosphäre scheinen und deren chemische Zusammensetzung verraten.
- Signalstärke: Die Planeten müssen nah genug sein, damit das James-Webb-Teleskop innerhalb einer realistischen Beobachtungszeit (weniger als 100 Stunden) signifikante Daten liefern kann.
Was wir auf diesen Planeten suchen
Die Forscher konzentrieren sich bei der Beobachtung dieser 45 Welten auf spezifische Gase, die als Biosignaturen gelten:
- Methan und Kohlendioxid: In Kombination können sie ein starker Hinweis auf biologische Prozesse sein.
- Wasserdampf: Der direkte Beweis für Ozeane oder eine feuchte Atmosphäre.
- Ozon und Sauerstoff: Diese Gase sind auf der Erde eng mit der Photosynthese verbunden.
Die aktuelle Studie von Prof. Lisa Kaltenegger und ihrem Team (veröffentlicht im März 2026 in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society) hat eine Liste von 45 Gesteinsplaneten erstellt, die sich in der habitablen Zone befinden und besonders gut beobachtet werden können.
Strukturierte Übersicht der prominentesten Kandidaten aus dieser Liste, kategorisiert nach ihrer wissenschaftlichen Bedeutung
Top-Kandidaten (Bestbewertete Ziele für Teleskope)
Diese Planeten bieten das stärkste Signal für die Atmosphärenanalyse (Transmissionsspektroskopie).
| Planet | Entfernung (Lichtjahre) | Besonderheit |
| LHS 1140 b | 48 | Gilt als „Super-Erde“; aktuell einer der heißesten Kandidaten für eine Wasserwelt mit Atmosphäre. |
| TRAPPIST-1 e | 40 | Erhält fast exakt die gleiche Strahlungsmenge wie die Erde; Kernstück des berühmten Sieben-Planeten-Systems. |
| TRAPPIST-1 f | 40 | Etwas kühler als die Erde, aber festes Gestein und potenziell lebensfreundlich. |
| TOI-715 b | 137 | Kürzlich entdeckt; eine „Super-Erde“ in der konservativen habitablen Zone eines roten Zwergs. |
| LP 890-9 c | 105 | Auch bekannt als SPECULOOS-2c; umkreist einen sehr kühlen Stern, was die Beobachtung erleichtert. |
Unsere nächsten Nachbarn
Diese Planeten sind uns am nächsten, was sie zu Primärzielen für zukünftige „Direct Imaging“-Missionen macht.
| Planet | Entfernung (Lichtjahre) | Status |
| Proxima Centauri b | 4,2 | Der uns am nächsten gelegene Exoplanet; erdähnliche Masse und Einstrahlung. |
| GJ 1002 b & c | 16 | Zwei Planeten in der habitablen Zone eines nahen roten Zwergsterns. |
| Wolf 1069 b | 31 | Ein erdgroßer Planet, der wahrscheinlich eine gebundene Rotation hat (eine Seite immer Tag). |
| Ross 508 b | 37 | Befindet sich am inneren Rand der habitablen Zone; testet die Hitze-Grenze für Leben. |
Planeten an den Grenzen (Extremtests)
Diese Welten helfen Forschern zu verstehen, wo Bewohnbarkeit aufhört (zu heiß oder zu kalt).
- Innere Grenze (Heiß): K2-239 d, TOI-700 e, K2-3 d.
- Äußere Grenze (Kalt): TRAPPIST-1 g, Kepler-441 b, GJ 102.
- Historische Welten: K2-239 d ist mit schätzungsweise 13 Milliarden Jahren einer der ältesten Gesteinsplaneten der Liste.
Zusammenfassung der „45er-Liste“
Die vollständige Liste umfasst weitere bekannte Namen wie Kepler-186 f, Kepler-452 b (die „Erde 2.0“), Teegarden’s Star c und Gliese 667 C c.
Wichtig: Von den 45 Planeten liegen 24 in einer noch engeren Auswahlzone (3D-HZ), in der lebensfreundliche Bedingungen laut komplexen Klimasimulationen besonders stabil sind.